Auszug aus dem Leben einer zahmen Löffelhündin in Namibia
Mai bis November 2002
Bei ihrer Ankunft auf der Farm war die Bindung der Löffelhündin zu Malta sehr stark ausgeprägt. Dies zeigte sich insbesondere in ihrem ständigen Rufen (Fiepen) nach der Hündin, sobald diese außerhalb ihres Sichtkontaktes geraten war. Zudem war sie auf der ständigen Suche nach Körperkontakt. Nur während der Fütterung war es in den ersten Tagen notwendig beide voneinander zu trennen. Malta und Fanta bewiesen hierbei einen überdeutlichen Futterneid, bei dem Fanta aufgrund ihrer geringeren Größe meist den kürzeren zog. Dies Verhalten legte sich jedoch mit der Zeit, so dass sie mittlerweile problemlos zusammen gefüttert werden können. Wir gehen davon aus, dass der stark ausgeprägte Futterneid mit dem Leben in einer größeren Hundemeute in Zusammenhang stand, da beide auch in einem relativ ausgehungertem Zustand bei uns eintrafen. Während der ersten Nächte hielten wir Fanta und Malta eingesperrt. Da sie jedoch von Anfang an kein Interesse zeigten, die nähere Umgebung zu verlassen, unterließen wir diese Maßnahme schon nach wenigen Tagen. Seitdem können sich beide nun frei auf dem Farmgelände bewegen.
Die einzige Gelegenheit, bei der Fanta in unregelmäßigen Abständen eine deutliche Aggressivität gegenüber den Katzen und auch Malta zeigt, ist während der Fütterung. Dies wird aber von keinen der Beteiligten besonders ernst genommen, so dass es bisher nicht notwendig erschien entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Wir hatten von Anfang an beschlossen, Fanta die Möglichkeit zur
Bei der Auseinandersetzung mit Futter zeigt es sich deutlich, wie stark nicht nur das Gebiss, sondern auch das Kiefergelenk der Löffelhunde auf die Aufnahme von Insekten ausgerichtet sind.
Wie schon erwähnt spielt Sicht- und insbesondere Körperkontakt eine sehr wichtige Rolle in Fantas Leben. Man findet sie nur äußerst selten alleine liegen, ohne jemanden in ihrer unmittelbaren Umgebung. Falls dies nicht der Fall ist, sucht oder ruft sie nach einer Kontaktperson. Die Kontaktaufnahme zu Malta erfolgt nicht wie bei Hunden durch Lecken, sondern mit Fellpflege. Beim Menschen setzt sie auffordernde Blicke ein, bis die richtige Reaktion erfolgt, dann setzt oder legt sie sich direkt neben die jeweilige Person oder lässt sich bereitwillig aufnehmen. Bei ihrer Kontaktsuche zeigt sich Fanta mittlerweile wenig wählerisch und lässt sich auch gerne von fremden Personen verwöhnen.
Mit Anstieg der Tagestemperatur verbringt Fanta ihre Tage mittlerweile zumeist schlafend. Nur in den frühen Morgenstunden und ab etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang lässt sie sich zu Aktivitäten ermuntern. Während sie bei Tageslicht ohne Maltas Begleitung nicht die nähere Umgebung des Farmhauses verlässt, so begibt sie sich doch im Verlauf der Nacht auch alleine auf Streifzüge. Dabei kehrt sie jedoch in regelmäßigen Abständen zum Farmhaus zurück, manchmal nur zur kurzen Kontaktaufnahme, hin und wieder, um noch eine Stunde zu schlafen. So wie wir es erhofft hatten, hat Fanta auf ihren nächtlichen Streifzügen einen Partner gefunden. Leider konnten wir diese Kontaktaufnahme selber nicht beobachten. Doch Ende Oktober zeigten sich deutliche Anzeichen einer Trächtigkeit bei unserer Löffelhündin. Im Verlaufe der folgenden Wochen hat sie wahrscheinlich mit Unterstützung ihres Partners eine Wurfhöhle gegraben, wo sie schließlich am 10. November ihre Jungen zur Welt gebracht hat. Bis zum Ende ihrer Trächtigkeit hat sich Fantas Verhalten uns oder Malta gegenüber in keiner Weise verändert. Erst am Wurftag ihrer Jungen war sie zum erstenmal tagsüber verschwunden. Seitdem verbringt Fanta zwar den größten Teil der Zeit bei ihrem Nachwuchs, kommt aber trotzdem weiterhin regelmäßig zur Futteraufnahme zu uns ins Farmhaus. Auch wenn sie bei diesen Besuchen meist zuerst in die Küche stürmt Wir haben entschieden die nähere Umgebung dieser Höhle in den ersten Wochen zu meiden, um Fanta in ihrem Vertrauen zu bestärken. Erst wenn die Jungtieren anfangen die nähere Umgebung ihrer Höhle selbstständig zu erforschen, werden wir mit direkten Beobachtungen beginnen. Wir hoffen mit Fantas Unterstützung auch das Vertrauen ihres Nachwuchses zu erlangen, um ihr Aufwachsen zwischen Wildnis und Farmbetrieb aus nächster Nähe dokumentieren zu können. |
| Fanta |