Auszug aus dem Leben einer zahmen Löffelhündin in Namibia

 

Mai bis November 2002

Die Löffelhündin „Fanta“ erreichte unsere Farm Nanania am 29. April 2002 zusammen mit der Mischlingshündin „Malta“. Nach Aussagen des Vorbesitzers war sie im Alter von wenigen Tagen mit noch geschlossenen Augen gefunden und von ihm aufgezogen worden. Im Verlaufe dieser Zeit suchte sie in der noch jungen Malta Familienersatz. Später wurden beide zusammen mit weiteren Hunden in einem Gehege gehalten. Zu dem Zeitpunkt unserer Übernahme Ende April 2002 wurde das Alter von Fanta mit fünf Monaten angegeben.  

Bei ihrer Ankunft auf der Farm war die Bindung der Löffelhündin zu Malta sehr stark ausgeprägt. Dies zeigte sich insbesondere in ihrem ständigen Rufen (Fiepen) nach der Hündin, sobald diese außerhalb ihres Sichtkontaktes geraten war. Zudem war sie auf der ständigen Suche nach Körperkontakt. Nur während der Fütterung war es in den ersten Tagen notwendig beide voneinander zu trennen. Malta und Fanta bewiesen hierbei einen überdeutlichen Futterneid, bei dem Fanta aufgrund ihrer geringeren Größe meist den kürzeren zog.

Dies Verhalten legte sich jedoch mit der Zeit, so dass sie mittlerweile problemlos zusammen gefüttert werden können. Wir gehen davon aus, dass der stark ausgeprägte Futterneid mit dem Leben in einer größeren Hundemeute in Zusammenhang stand, da beide auch in einem relativ ausgehungertem Zustand bei uns eintrafen.

Während der ersten Nächte hielten wir Fanta und Malta eingesperrt. Da sie jedoch von Anfang an kein Interesse zeigten, die nähere Umgebung zu verlassen, unterließen wir diese Maßnahme schon nach wenigen Tagen. Seitdem können sich beide nun frei auf dem Farmgelände bewegen.

Fanta zeigte uns gegenüber keinerlei Scheu oder Misstrauen, doch benötigte sie einige Zeit, um ihre Abneigung gegenüber unseren Katzen zu überwinden. Zwar kam es zu keiner körperlichen Auseinandersetzung, doch zu eindeutigen Drohgebärden auf beiden Seiten. Mittlerweile haben die Katzen jedwede Scheu und sogar jeden Respekt vor der kaum größeren Löffelhündin verloren. Dies verdeutlich insbesondere unsere Sheila im Verlau­­fe gemeinsamer Spaziergänge gerne, wenn sie hinter Büschen Fanta auflauert. (Die einzig mir bekannte Hauskatze, welche mit Vorliebe Löffelhunde erschreckt.) Dennoch hat Fanta mit der Zeit ihre Abneigung gegenüber den Katzen zum größten Teil abgelegt, auch wenn sie immer noch bei deren Anblick den Kopf senkt und mit angelegten Ohren kurz knurrt.

Die einzige Gelegenheit, bei der Fanta in unregelmäßigen Abständen eine deutliche Aggressivität gegenüber den Katzen und auch Malta zeigt, ist während der Fütterung. Dies wird aber von keinen der Beteiligten besonders ernst genommen, so dass es bisher nicht notwendig erschien entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.    

Wir hatten von Anfang an beschlossen, Fanta die Möglichkeit zur Rückkehr in die freie Wildbahn zu eröffnen. Aus diesem Grunde begannen wir schon bald sie auf täglichen Spaziergängen mit der Umgebung vertraut zu machen. In den ersten Wochen richtete sich Fantas Aufmerksamkeit hierbei fast allein auf Malta, während sie auf unser Rufen kaum zu reagieren schien. Mittlerweile hat sie einen Teil dieser engen Bindung auf uns übertragen. Dies zeigt Fanta nicht nur mit der regelmäßigen Suche nach Körperkontakt, sondern auch in dem sie uns sogar  manchmal zum Spielen auffordert.          

Obwohl unter Haushunden aufgewachsen, zeigt Fanta typisches Löffelhund-Verhalten. Hierbei fällt insbesondere ihre fast ununterbrochene Suche nach Insekten ins Auge, welche sie uns nicht nur auf unseren Spaziergängen anschaulich vorführt, sondern auch um und im Farmhaus. Dabei verlässt sich Fanta hauptsächlich auf ihr aus-gezeichnetes Gehör, während visuelles eher eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint. Mit Abnahme der Insekten-konzentration im Verlaufe der kalten und trockenen Jahreszeit, richtete sich Fantas Aufmerksamkeit vermehrt auf Vögel, Eidechsen und kleine Säugetiere. Während sie zu Beginn oftmals von den Jagderfolgen der Katzen profitierte (meist unter Maltas Mithilfe), so gelang ihr später auch schon mal ein erfolgreicher Jagdzug.

Doch ob selbsterbeutet oder nicht, Vögel werden generell sehr gerne von Fanta genommen und innerhalb weniger Augenblicke komplett gefressen. 

Bei der Auseinandersetzung mit Futter zeigt es sich deutlich, wie stark nicht nur das Gebiss, sondern auch das Kiefergelenk der Löffelhunde auf die Aufnahme von Insekten ausgerichtet sind. 

Die Backenzähne der Löffelhunde bilden nicht die bei Raubtieren sonst so übliche Reißschere, sondern ähneln eher Mahlzähnen. Zudem erlaubt das Kiefergelenk zwar ein schnelles Öffnen und Schließen aber kaum Seitwärtsbewegungen. Die Zerteilung der Nahrung gleicht daher einem schnellen Zerhacken. Dadurch kommt Fanta mit kleinen Fleischstückchen, Hackfleisch, Dosen- sowie Trockenfutter ohne Probleme zurecht. Größere, zusammenhängende Fleischstücke kann sie nicht bewältigen, Knochen sind für sie generell uninteressant. 

Wie schon erwähnt spielt Sicht- und insbesondere Körperkontakt eine sehr wichtige Rolle in Fantas Leben. Man findet sie nur äußerst selten alleine liegen, ohne jemanden in ihrer unmittelbaren Umgebung. Falls dies nicht der Fall ist, sucht oder ruft sie nach einer Kontaktperson. Die Kontaktaufnahme zu Malta erfolgt nicht wie bei Hunden durch Lecken, sondern mit Fellpflege. Beim Menschen setzt sie auffordernde Blicke ein, bis die richtige Reaktion erfolgt, dann setzt oder legt sie sich direkt neben die jeweilige Person oder lässt sich bereitwillig aufnehmen.

Bei ihrer Kontaktsuche zeigt sich Fanta mittlerweile wenig wählerisch und lässt sich auch gerne von fremden Personen verwöhnen.

Weder vor unseren Rindern noch den Pferden zeigt Fanta Scheu, sondern eher neugieriges Interesse, während sie von diesen meist kaum Beachtung erfährt. Falls sie sich aber verfolgt fühlt, dann reagiert sie in wilder, hakenschlagender Flucht, oder indem sie sich dicht auf den Boden presst. Auf Bedrohungen anderer Art reagiert sie mit Anlegen der Ohren und Absenken des Kopfes wobei sie ein warnendes Knurren ausstößt.

Mit Anstieg der Tagestemperatur verbringt Fanta ihre Tage mittlerweile zumeist schlafend. Nur in den frühen Morgenstunden und ab etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang lässt sie sich zu Aktivitäten ermuntern. Während sie bei Tageslicht ohne Maltas Begleitung nicht die nähere Umgebung des Farmhauses verlässt, so begibt sie sich doch im Verlauf der Nacht auch alleine auf Streifzüge. Dabei kehrt sie jedoch in regelmäßigen Abständen zum Farmhaus zurück, manchmal nur zur kurzen Kontaktaufnahme, hin und wieder, um noch eine Stunde zu schlafen.

So wie wir es erhofft hatten, hat Fanta auf ihren nächtlichen Streifzügen einen Partner gefunden.  Leider konnten wir diese Kontaktaufnahme selber nicht beobachten. Doch Ende Oktober zeigten sich deutliche Anzeichen einer Trächtigkeit bei unserer Löffelhündin. Im Verlaufe der folgenden Wochen hat sie wahrscheinlich mit Unterstützung ihres Partners eine Wurfhöhle gegraben, wo sie schließlich am 10. November ihre Jungen zur Welt gebracht hat. Bis zum Ende ihrer Trächtigkeit hat sich Fantas Verhalten  uns oder Malta gegenüber in keiner Weise verändert. Erst am Wurftag ihrer Jungen war sie zum erstenmal tagsüber verschwunden. Seitdem verbringt Fanta zwar den größten Teil der Zeit bei ihrem Nachwuchs, kommt aber trotzdem weiterhin regelmäßig zur Futteraufnahme zu uns ins Farmhaus. Auch wenn sie bei diesen Besuchen meist zuerst in die Küche stürmt und ihr Futter gierig, manchmal sogar richtig hastig herunterschlingt, so nimmt sie sich doch immer die Zeit, danach zu Malta und uns auf die übliche Art und Weise Kontakt aufzunehmen und sich ein paar Streicheleinheiten abzuholen. Dabei zeigt sie uns eindeutig, dass sie weiterhin auf engem Körperkontakt Wert legt. Aber auch die Lage der  Wurfhöhle beweist mit ihrer Nähe zu unserem Farmhaus Fantas Vertrauen in uns. 

Wir haben entschieden die nähere Umgebung dieser Höhle in den ersten Wochen zu meiden, um Fanta in ihrem Vertrauen zu bestärken. Erst wenn die Jungtieren anfangen die nähere Umgebung ihrer Höhle selbstständig zu erforschen, werden wir mit direkten Beobachtungen beginnen.         

Wir hoffen mit Fantas Unterstützung auch das Vertrauen ihres Nachwuchses zu erlangen, um ihr Aufwachsen zwischen Wildnis und Farmbetrieb aus nächster Nähe dokumentieren zu können.       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fanta