Fanta

 

 

Rückblick auf zwei Jahre mit Fanta

                                                                 

Am 28. April 2002 trat sie in unser Leben. Ein kleines schwarz-braunes fuchsartiges Tier mit buschigem Schwanz, riesigen Ohren und dem ungewöhnlichen Namen „Fanta“. Wenig war uns über ihre Vorgeschichte bekannt, nur das sie im Alter von wenigen Tagen gefunden und zusammen mit einer Mischlingshündin in Maltahöhe auf-gewachsen war. Malta erwies sich als typischer Straßenmix, mit grau schwarzen drahtigen Haaren, verstaubt und verwurmt bis hinter ihre Hänge-Ohren. Doch unter dieser Maske entpuppte sie sich als treue und gutherzige Hündin, die schneller als erwartet einen festen Platz in unsere Herzen einnahm. Nach einer erduldeten Dusche und gierig heruntergeschlungenen Mahlzeit brauchte Malta nicht lange von uns zum Bleiben überredet zu werden. 

Fanta aber ließ sich nicht so schnell überzeugen. Ihre dunklen Knopfaugen hingen in den ersten Tagen nur an ihrer Freundin Malta. Auch wenn sie sich uns gegenüber nicht ängstlich oder scheu verhielt, so zeigte sie doch deutlich, dass es Malta war,  wegen der sie bei uns blieb. Nur langsam gewonnen wir ihr Vertrauen.

Dabei half uns, dass Fanta nicht alleine sein mochte. Oft ertönte ihr leises Fiepen durch unser Haus und mit der Zeit gewöhnte sie es sich an, sich in unsere Nähe zu legen, wenn sie Malta nicht fand. Dies endete schließlich damit dass sie sich abends zu uns auf die Couch legte anstatt zu Malta auf die Hundedecke.

Nachdem sich beide an ihr neues Zuhause gewöhnt hatten, begannen wir Fanta auf täglichen Spaziergängen mit der Umgebung vertraut zu machen. Einige Wochen später entdeckten wir, dass die Löffelhündin, die tagsüber niemals alleine die nähere Umgebung des Hauses verließ, nachts loszog und oft erst bei Sonnenaufgang zurückkehrte. Doch erst als alle Anzeichen für eine Trächtigkeit sprachen konnten wir sicher sein, dass ihre Partnersuche erfolgreich gewesen war. Sechseinhalb Monate nachdem wir Fanta zu uns auf die Farm geholt hatten wurde sie zum ersten Mal Mutter. Ihre vier ersten Welpen wurden in einer Höhle keine hundert Meter von unserem Haus entfernt geboren. Doch weder die Bindung zu ihrem wilden Partner noch die Geburt ihres Nachwuchses änderte etwas an ihrem Verhalten. Immer noch verbrachte sie einen großen Teil ihrer Zeit in unserer Nähe. Erst später, ungefähr 16 Monate nach ihrer eigenen Geburt kehrte sie endgültig in ihren natürlichen Lebensraum zurück.

 

 

Fanta sucht sich eine neue Heimat

 

Lange hatten wir uns gefragt, ob Fanta jemals die Bequemlichkeit unseres Farmhauses aufgeben würde. Trotz erfolgreicher Partnersuche und Mutterpflichten verbrachte sie immer noch viel Zeit bei uns. Doch als ihre ersten Welpen zunehmend unabhängiger wurden, besuchte sie uns immer seltener. Schließlich verließ sie das Gebiet um unser Farmhaus endgültig und wanderte in süd-westliche Richtung. Sie verließ unsere Farm durch eines der vielen Schlupflöcher unter dem Zaun hindurch und siedelte sich auf Schakalslust an, der Farm unseres Nachbarn Karl Otto. Ihre Welpen aber blieben zurück und waren nun auf sich alleine gestellt. Wir hatten für die Jungtiere einen Futterplatz in der Nähe ihrer Geburtshöhle eingerichtet, welchen sie eine zeitlang regelmäßig aufsuchten. Auch wenn wir sie schließlich aus den Augen verloren, so lassen doch ihre Spuren darauf schließen, dass sie sich immer noch in der Nähe aufhalten.

Fanta blieb zwei Monate lang ausschließlich in ihrem neuem Heimatgebiet. Erst danach begann sie wieder in unregelmäßigen Abständen unser Haus zu besuchen. Doch obwohl sie uns und Besuchern gegenüber immer noch aufgeschlossen war, so hatte sie sich doch von Malta entfremdet. Die Zeit gemeinsamer Spaziergänge und Spiele waren für diese Beiden vorüber. Mit Hilfe ihres Sendehalsbandes konnten wir Fanta besuchen, was wir auch regelmäßig taten. Dabei ergab sich manchmal die Gelegenheit einen Blick auf ihren scheuen Partner zu erhaschen.

 

 

Neues Welpenglück

 

Anfang September 2003 ließ eine stetige Gewichtszunahme bei Fanta auf eine erneute Trächtigkeit hoffen. Nicht lange nach dieser Beobachtung bestätigte das Anschwellen der Milchdrüsen unsere Vermutung. Danach ließen wir Fanta nicht mehr aus den Augen bis am 14. Oktober 2003 ihr zweiter Wurf das Licht der Welt erblickte. Die Geburtshöhle lag dieses mal etwa 1,5 km von unseren Haus entfernt unter einem niedrigen Dornenbusch. Sie bestand aus zwei mit einander verbundenen Räumen, zu denen insgesamt fünf Eingänge führten. Aufgrund unserer Erfahrungen mit dem ersten Wurf hatten wir uns entschlossen diese vier Welpen von Anfang an zu begleiten und so begannen wir schon bald nach der Geburt mit Video-Aufnahmen in der Höhle. So konnten wir am Bildschirm verfolgen, wie die zuerst hilflosen Teddybären innerhalb weniger Tage mit offenen Augen durch ihr Zuhause tobten.

Im Alter von zwei Wochen steckten die ent-deckungsfreudigen Jungtiere zum ersten Mal ihre Nasen aus der Höhle.

Von da an gab es kein Halten mehr und ihre Ausflüge in die Außenwelt wurden immer häufiger und länger. Mit dem schnellen Heranwachsen der Jungtiere verlegte Fanta das Säugen schließlich nach draußen, wozu sie die Welpen mit hohen Fieptönen zu sich rief. Um Fanta bei ihrer Aufgabe als Mutter zu unterstützen, brachten wir ihr Futter und Wasser zur Höhle und mussten bald feststellen, dass auch ihre Welpen Geschmack an diesem Service fanden.

Drei Wochen nach ihrer Geburt führte Fanta ihre Nachkommen in eine größere, etwas höher gelegene Höhle. Ab da an brachte sie nun auch regelmäßig Insekten von ihren Jagdausflügen mit. Gleichzeitig begannen die Welpen nun auch selber nach Insekten zu horchen und zu graben, wenn auch noch sehr spielerisch. Nur wenig später nahm Fanta ihre Jungen zum ersten Mal auf längere Ausflüge mit, dabei rief sie diese regelmäßig zu Stellen, an denen sie selber Beutetiere ausgegraben hatte, welche sie nun den Jungtieren zum Fressen überließ.

Als Anfang des Jahres 2004 die ersten Regenschauer für eine Wiederbelebung der Natur sorgten, gab die Löffelhund Familie den Schutz der Höhle endgültig auf. Nun verbrachten sie die heißen Mittagsstunden im Schatten verschiedener Büsche.

Ende Januar begann sich die Familie immer öfter während ihrer nächtlichen Streifzüge aufzuteilen. Nur noch selten trafen wir Fanta morgens mit allen vier Welpen an. Somit entschlossen wir uns Ende Januar allen Welpen ein Sendehalsband umzulegen und ihnen damit auch Namen zu geben: Schalk, Elsa, Joy und George, drei Weibchen und ein Rüde.

Im Alter von 5 ½  Monaten war George der erste, der den Schutz der Familie immer öfter verließ. Allerdings sind wir uns sicher, dass er seine Zeit nicht alleine verbringt. Sein Verhalten gab genügend Hinweise darauf, dass er Gesellschaft gefunden hatte. Seine drei Schwester verblieben vorerst bei ihrer Mutter. Dieser Abnabelungs-prozess setzte erst einen Monat später ein. Allerdings waren es nicht die jungen Weibchen, sondern Fanta, die eines Tages das vertraute Gebiet verließ und es ihre Töchtern überließ. Auf diese abrupte Weise alleine gelassen bildeten sie für ein paar Wochen eine Solidargemeinschaft.

Nachdem Fanta von einem Tag auf dem anderen die Gesellschaft ihrer Töchter verlassen hatte, war sie wie vom Erdboden verschwunden. Trotz ausgedehnter Suche in alle Richtungen konnten wir kein Funksignal von ihrem Halsband auffangen. Da wir nicht ausschließen konnten, dass ihr etwas zugestoßen war wuchs unsere Sorge mit jedem Tag. Trotzdem hofften wir auf ein Wiedersehen, denn es bestand auch die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Halsband aufgrund schwacher Batterien kein Signal mehr sendete.

6 ½ Wochen nach ihrem Verschwinden kam es schließlich zu einem kurzen Wiedersehen. An einem Morgen tauchte sie wieder in Begleitung ihrer Töchter auf, um sich füttern zu lassen. Dabei bestätigte sich unsere Vermutung, ihr Halsband ist außer Betrieb. Seither ist sie allerdings nicht wieder aufgetaucht.

Wie bei ihrem ersten Wurf scheint sie ihr bisher genutztes Gebiet um die Wurfhöhle verlassen zu haben, um die Abnabelung ihrer Welpen zu erleichtern.

In den vergangenen Wochen haben wir nun die drei Weibchen immer seltener gemeinsam angetroffen. Dafür konnten wir sie in Begleitung fremder Löffelhunde beobachten. Während sich ihr Bruder George schließlich 2 km von der Geburtshöhle entfernt angesiedelt hat, teilen sich die Schwestern das Gebiet, in welchem sie aufgewachsen sind. 

Obwohl sie immer weniger Zeit miteinander verbringen, nutzen die Schwestern zufällige Treffen, um über gemeinsame Fellpflege ihre Bindung zu erneuern.

 

Unsere tägliche intensive Feldarbeit mit den Jungtieren hat sich schließlich ausgezahlt. Auch wenn ihr Vertrauen in uns niemals so stark sein wird, wie das ihrer Mutter, so akzeptieren sie uns  doch weiterhin in ihrer Nähe. Die bisherige Entwicklung lässt noch in diesem Jahr auf die Geburt einer neuen Generation hoffen. Mit Hilfe der Sendehalsbänder werden wir dann in der Lage sein Fantas Enkelkinder aufwachsen zu sehen und zu dokumentieren, welche individuellen Unterschiede es im Verhalten von Löffelhund-Müttern gibt. 

 

Auch unsere Hündin Malta ist inzwischen Mutter geworden. Ihre acht Welpen geben uns ein deutliches Beispiel wie außerordentlich schnell sich doch junge Löffelhunde entwickeln. Denn während Hundwelpen ihre ersten unsicheren Schritte machen, begeben sich Löffelhunde schon auf ihre ersten Abenteuer in der Wildnis Afrikas.

 

Fanta nimmt in unseren Herzen einen besonderen Platz ein. Deshalb hoffen wir, dass es ihr gut geht und sie bald wieder unsere Nähe sucht, damit wir die Gelegenheit erhalten ihr Sendehalsband auszutauschen. Es wäre traurig, wenn wir aufgrund des frühzeitigen Versagens des Halsbandes den Kontakt zu ihr endgültig verlieren würden.