Fanta

 

 

 

Aus Töchtern werden Mütter

 

Wilderer im Löffelhund-Gebiet

 

 

Trotz unserer monatelangen Bemühungen Fanta aufzuspüren, bleibt sie verschwunden. Nachdem wir feststellen mussten, dass ihr Halsband keine Signale mehr aussendet, hatten wir noch gehofft, sie würde eines Tages wieder zu uns finden. Aber mittlerweile haben wir die Hoffnung aufgegeben, sie wiederzusehen.  

Ob sie in ein neues Gebiet gewandert ist, oder Wilderern zum Opfer fiel, werden wir wohl nie erfahren. 

Im August hatten schließlich bis auf Elsa alle Welpen einen Partner gefunden. Sie waren nun nicht nur vollständig ausgewachsen und selbständig, sondern auch geschlechtsreif. Ob sie genauso aufgeregt wie ich ihrer ersten Paarungszeit entgegen sahen kann ich nicht sagen. Aber für mich stellte sich nun die Frage, ob sie genauso wie ihre Mutter schon in ihrem ersten Lebensjahr für Nachwuchs sorgen würden.

Obwohl wir uns darum bemühten allen vier Löffelhunden die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken, schiene sich Elsa und ihr Bruder George von uns zu entfremden.   

Immer wieder kam es vor, dass sie vor uns davonliefen. Nur Joy und Schalk zeigten weiterhin ein ungebrochenes Vertrauen in uns.

Leider galt dies allerdings nicht für deren wilde Partner. Trotz unserer fast täglichen Besuche, schienen sich diese nicht mit unserer Anwesenheit anzufreunden.

Noch während wir nach einer Lösung zu diesem Problem suchten, schien es sich zumindest in einem Fall von alleine zu lösen. Mitte August fiel uns auf, dass Schalks Partner nicht mehr vor uns davonlief, sondern im sicheren Abstand wartete, während Schalk sich ihre Leckerbissen von uns abholte. Von da an schien mit jedem Tag sich sein Sicherheitsabstand zu uns zu verringern. Schalk schien diese Entwicklung sogar zu unterstützen, da sie sich oftmals in meine Nähe legte und nach ihm rief.

Dies gab zu der Hoffnung Anlass dieses Jahr beide Elternteile zusammen bei der Aufzucht ihrer Welpen beobachten zu dürfen. Doch schon nach wenigen Tagen wurde diese Hoffnung brutal zerstört.

 

 

Am frühen Morgen des 24. August führte mich das Signal von Schalks Halsband zu der Höhle, in welcher sie zusammen mit ihren Geschwistern aufgewachsen war. Auf mein Rufen hin kam sie ungewohnt zögerlich auf mich zu. Schon bei ihren ersten Schritten wurde es deutlich, dass sie ihre linke Vorderpfote nicht belastete, sondern hinter sich herzog. Ohne von dem angebotenen Futter zu nehmen legte sie sich in den Schatten neben mich. Dies gab mir die Gelegenheit ihre Pfote näher in Augenschein zu nehmen. Dabei musste ich feststellen, dass diese nicht nur stark geschwollen war, sondern auch ihre natürliche Form komplett verloren hatte. Überall klebte Blut und Sand.  

Es war unschwer zu erkennen, dass diese Verletzung medizinische Betreuung benötigte. So schnell es mir möglich war kehrte ich zum Haus zurück. Nach Rücksprache mit dem Wildtierspezialisten Dr. Ulf Tubbesing säuberte ich unseren Transportkäfig und machte mich wieder auf dem Weg zu Schalk.

Doch die Löffelhündin erwies sich als nicht besonders kooperativ. Trotz ihrer schweren Verletzung verfügte sie immer noch über schnellere Reaktionen als ich und entzog sich immer wieder meinen Bemühungen. So gelang es mir erst am folgenden morgen ihrer Habhaft zu werden, als ich unerwartete Unterstützung durch ihre Schwester Elsa erhielt. Ich war schon einige Zeitlang mit einem Löffel voll Whiskas hinter Schalk hergelaufen, als Elsa, sicherlich angelockt durch mein ständiges Rufen, plötzlich neben mir auftauchte und sich ungewöhnlich interessiert an dem Leckerbissen zeigte. Dies änderte Schalks Verhalten, die bis dahin wenig Appetit gezeigt hatte. Der für Löffelhunde so typische Futterneid war schließlich stärker als ihre Vorsicht. In dem Moment als sie mit Elsa direkt vor mir stand, ergriff ich meine Chance. Schalks verzweifeltes Schreien als ich sie schließlich packte und festhielt ging mir durch Mark und Bein und ich fragte mich, ob sie mir diesen groben Angriff jemals verzeihen würde. Schalk wehrte sich gegen meinen Griff, bis es mir gelang meine Jacke über sie zu ziehen. Langsam beruhigte sie sich und ich trug sie in die Jacke gewickelt zu dem Transportkäfig.

Es war als hätte Schalk sich in ihre Situation ergeben. Sie ertrug die vierstündige Fahrt nach Windhoek ohne Klagelaut.

Die Untersuchung in der Tierklinik von Dr. Tubbesing bestätigte die Schwere der Verletzung und gab Hinweise auf die Ursache. Es war eine typische Verletzung von Wildtieren, die sich aus Schlageisen befreit hatten. Zwei Krallen fehlten, eine weitere musste zusammen mit den ersten Zehenknochen amputiert werden. Obwohl es unmöglich war, die Pfote wieder vollständig herzustellen, bestand doch die Hoffnung, dass Schalk sie später wieder zum Laufen und Graben einsetzen könnte. Doch bis dahin war es an dem Tag noch ein weiter Weg.

Zwei Wochen lang blieb Schalk in der Rhino Tierklinik, bevor wir ihre Behandlung auf der Farm fortsetzen konnten. Dort durfte sie Tagsüber in unser Außengehege. Aber da sie nachts ständig versuchte sich unter dem Zaun hindurchzugraben mussten wir sie in eines unserer Badezimmer ein sperren, denn bei diesen ständigen Ausbruchs-versuchen belastete sie ihre verletzte Vorderpfote zu stark.

Während ihres Aufenthaltes wuchs Schalks Vertrauen in uns so stark, dass wir uns mittlerweile neben sie setzen dürfen um sie zu streicheln. Trotz ihres obligatorischen Knurrens, welches erst stoppt wenn man anfängt ihr Fell zu kraulen, scheint sie unsere Zuwendung zu genießen und so versuchten wir so viel Zeit wie nur möglich mit ihr zu verbringen. Obwohl die Heilung von Schalks Vorderpfote ohne Komplikationen verlief, schritt sie nur langsam voran. Und so vergingen fast zwei Monate bis wir über eine Freilassung nachdenken konnten.

 

Aus Töchtern werden Mütter

 

Als wir die ersten Anzeichen einer Trächtigkeit bei Schalk bemerkten, wurde uns klar dass dies ihre schon geplante Freilassung verhindern würde. Durch den langen Aufenthalt bei uns hatte sie nicht nur ihren Partner verloren, sondern auch keine Möglichkeit gehabt eine Höhle für die Geburt vorzubereiten. Zum Wohle der zukünftigen Welpen entschlossen wir uns Schalk weiterhin bei uns zu behalten.

Schließlich wurden die Welpen in der Nacht zum 20. Oktober in unserem Badezimmer geboren. Nur sechs Tage zuvor war Schalk ein Jahr alt geworden. Wir waren in Sorge, ob Schalk die Welpen annehmen würde, denn kurz nach der Geburt erschien sie müde und nur wenig interessiert an ihren hilflosen Welpen. Doch sie erholte sich schnell von den Strapazen der Geburt und erwies sich trotz der ungewöhnlichen Situation als fürsorgliche Mutter.    

In den ersten Tagen zeigte Schalk kein Interesse das Bad zu verlassen, doch dann konnte sie es oft nicht mehr erwarten, von uns ins Aussengehege getragen zu werden. Ohne große Aufforderung sprang sie dann in den Transportkäfig. Nicht lange danach begannen wir auch ihre Welpen stundenweise nach draußen zu bringen.

Einen Monat nach der Geburt der Welpen beschlossen wir schließlich die gesamte Familie dauerhaft in das Aussengehege umzusiedeln.       

Doch Schalk war nicht die einzige junge Mutter geblieben. Ihre Schwester Joy hatte nur sechs Tage nach Schalk auch vier Welpen zur Welt gebracht. Allerdings nicht in einem Badezimmer, sondern in einer Höhle, nicht weit entfernt von unserer Zufahrt.

Nun wuchsen also acht Welpen in zwei sehr unterschiedlichen Situationen vor unseren Augen auf.

Dieser Unterschied wurde schon sehr bald deutlich, als Joy schon nach einer Woche mit ihren Welpen die Höhle wechselte. Doch auch dort waren anscheinend ihre Welpen nicht sicher, denn nach zwei weiteren Wochen war eines der Welpen über nacht verschwunden und Joy mit den drei übrigen in eine weitere Höhle umgezogen.

Während dieses Umzuges muss Joy von einem Gewitterschauer überrascht worden sein. Denn sie hatte zwischenzeitlich ihre Welpen in einem kleinen Erdbau untergebracht, der gerade den Welpen genügend Platz bot. Von dort aus trug sie die Welpen erst am Vormittag weiter in eine größere Höhle mit mehreren Ausgängen, die auch ihr genügend Platz bot.

Doch auch dort muss Joy eine Bedrohung gefühlt haben, denn nur eine Woche später hatte sie auch diese Höhle verlassen. Diesmal fanden wir sie und die Welpen einen Kilometer weiter Östlich, in der Höhle, wo Joy nur ein Jahr zuvor  zusammen mit ihren Geschwistern aufgewachsen war. Dort scheint sich Joy nun sicher zu fühlen.

Trotz der ständigen Umzüge waren wir in der Lage auch zu Joys Welpen ein gutes Vertrauensverhältnis aufzubauen. Wir dürfen uns bis auf wenige Meter nähern und sie bei ihren Spielen beobachten. Sehr häufig haben wir auch den Vater der Welpen gesehen. Obwohl er sich meistens frühzeitig vor uns zurückzieht, so ist es uns auch schon gelungen aus einiger Entfernung zu beobachten wie er in der Nähe der Höhle auf Joy wartet, während seine Welpen um ihn herumspielen.   Dies ist eine erste Bestätigung der Annahme, dass Löffelhund-Väter aktiv an der Aufzucht ihrer Welpen beteiligt sind.        

 

Die Welpen von Joy und Schalk sind nun fast drei Monate alt und während Joys Welpen nun ihre Eltern bei der nächtlichen Futtersuche begleiten, wird es nun langsam Zeit eine Entscheidung über die Zukunft von Schalk und ihren Welpen zu treffen.