4) Leben mit Fanta und ihren Nachkommen

Die eben beschriebenen Verhaltensweisen stammen wie schon erwähnt aus Beobachtungen an mehreren Löffelhundfamilien auf der Farm Nanania im Süden Namibias

Die Farm Nanania liegt etwa 400 km südlich von Windhoek, der Hauptstadt Namibias, und 50 km südöstlich der kleine Ortschaft Maltahöhe.
Im Halbwüstenbereich zwischen der Namib, der ältesten Wüste der Welt, im Westen und der Kalahari im Osten gelegen, wird ihre Landschaft von flachen Plateaus mit dazwischen liegenden Tälern bestimmt. Mit weniger als 200 mm Niederschlag im Jahr, Temperaturen um die vierzig Grad in den Sommermonaten und Frost in den kalten Winterwochen, kann man das Klima dort schon als hart und trocken bezeichnen. Trotzdem weist auch der Süden Namibias eine reichhaltige Tierwelt auf, selbst wenn die Landschaft auf dem ersten Blick ausgestorben erscheint.
Denn wenn man den Blick von den fernen Horizonten ab und seine Aufmerksamkeit dem Boden zuwendet, so wird man dort eine Vielzahl von Spuren entdecken. Spuren, die demjenigen, der gelernt hat sie zu lesen, jeden Tag eine neue Geschichte erzählen, und uns Feldforschern die Tageszeitung ersetzen, welche wir ohnehin nicht erhalten.  
Namibia selber ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, aber verfügt über weniger als 2 Millionen Einwohner. Die meisten leben im feuchteren und damit fruchtbareren Norden des Landes, während wir im Süden bei mehr als drei Autos schon vom Verkehrschaos reden. Deutlich wird Namibias geringe Einwohnerdichte auch an der Tatsache, dass wir nur ein Telefonbuch benötigen, welches gleichzeitig auch die gelben Seiten beinhaltet.
Namibia bezieht sein Einkommen hauptsächlich aus der Landwirtschaft insbesondere der Viehzucht, dem Tourismus sowie dem Diamanten- und Uranabbau.
Stammmutter unsere Löffelhund-Familien war die Löffelhündin Fanta welche von Hand aufgezogen und zusammen mit der Mischlingshündin Malta aufgewachsen war. Diese beiden fanden im Mai 2002 gemeinsam ein neues Zuhause bei uns auf Nanania. Von wo aus die damals 5 Monate alte Löffelhündin den Weg in die Freiheit zurückfinden sollte.
Mit Hilfe täglicher Spaziergänge wurden die beiden mit ihrer neuen Umgebung vertraut gemacht. Und so dauerte es nur wenige Wochen, bis Fanta begann nachts alleine um herzu streifen.
Auf einem dieser Ausflüge gelang Fanta schließlich der Kontakt zu einem wilden Partner
Worauf die Geburt ihrer ersten vier Welpen im November 2002 nahe des Farmhauses erfolgte.
Aufgrund des Vertrauens welches Fanta weiterhin gegenüber den ihr vertrauten Menschen zeigte, gelang es das Aufwachsen der Jungtiere aus nächster Nähe zu beobachten.
Dies eröffnete nicht nur einen ungeahnten Einblick in die Kinderstube der Löffelhunde, sondern auch in deren Kommunikation.
 
Nachdem ihre ersten vier Welpen selbständig geworden waren, zog sich Fanta mit ihrem Partner etwas weiter vom Farmhaus zurück. Aufgrund aber ihres weiterhin ungebrochenen Vertrauens und mit Hilfe eines Sendehalsbandes blieb mein Kontakt zu ihr erhalten. Und so konnte auch das Aufwachsen des zweiten Wurfes begleitet werden. Diese vier Welpen, Schalk, Joy, Elsa und George erhielten im Alter von 5 Monaten auch Sendehalsbänder.
Leider haben wir in dem Jahr, in welchen die Welpen des zweiten Wurfes selbständig wurden, durch eine Fehlfunktion des Sendehalsbandes den Kontakt zu Fanta verloren. Und haben sie seither auch nie wieder gesehen
Doch sind es immer noch Fantas Enkel und Urenkel, wie Monty, die unser Leben bereichern. Und durch die wir jeden Tag etwas neues über Löffelhunde erfahren.

 

 

 
 
 
 
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1) Wir lernen Tiere zu verstehen:

 

Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten ist eine schöne, aber wie Sie sich sicher vorstellen können keine leichte Aufgabe. Nur allzu gerne entziehen sich die Forschungsobjekte der Beobachtung. 

Außer sie liegen bevorzugt auf dem Sofa, wie unser Monty hier, so dass man wie meine Tochter gemütlich daneben sitzen kann, und nicht wie ich die Tage  im heißen Wüstensand verbringen muss. 
Aber ein weiteres Problem liegt auch in den Grenzen der eigenen Aufnahmefähigkeit, wenn mal wieder dem menschlichen Auge und Ohr entgeht, was für die Tiere so offensichtlich erscheint.   
In diesen Situationen freut man sich über technische Hilfsmittel wie Photoapparat und Videokamera, welche für jegliche Feldarbeit unersetzbar sind. Denn es bleibt häufig nur noch der Versuch im Nachhinein mit Hilfe von Photo- und Videomaterial aus dem Verhalten der Tiere das Entgangene zu entnehmen.
Möchte man insbesondere etwas über die Sprache einer Tierart lernen, ist es wichtig sich vorher mit deren Verhalten und Lebensraum auseinanderzusetzen. Denn die Kommunikation bei Tieren setzt sich nicht nur zusammen aus Lautäußerung, Körperhaltung und Duftmarken, sondern erfolgt zumeist als Reaktion auf eine Veränderung der Umgebung. 
Deshalb darf man sich nicht darauf beschränken nur das einzelne Tier zu Beobachten, sondern muss die entsprechende Situation in ihrer Gesamtheit erfassen. Und zwar aus der Sicht des jeweiligen Tieres und nicht seiner eigenen.
Eine Lautäußerung erkennt man zum Beispiel dann als Warnruf, wenn er auf eine Veränderung in der Umgebung erfolgt, welche für die Tierart bedrohlich erscheint und bei Familienmitgliedern auch eine entsprechende Flucht- oder Abwehrreaktion auslöst.
Man darf allerdings nicht vergessen, dass eher unerfahrene Jungtiere oft ihre Umgebung und Gefahren anders einschätzen, als erfahrene Elterntiere.
Zudem sind auch Wildtiere Individuen mit individuell unterschiedlichen Erfahrungen
Wodurch selbst gleich alte Tiere innerhalb einer Art unterschiedlich auf bestimmte Situationen reagieren können, was sich dann auch in der Kommunikation widerspiegeln kann.
 

2) Eine Einführung in die Sprache der Löffelhunde

Wie bei anderen Tierarten bedeutet Kommunikation bei Löffelhunden nicht nur Austausch von Lauten, sondern das Zusammenspiel von Lautäußerung und Körperhaltung. Zur Überbrückung weiterer Entfernungen kommen hingegen Duftstoffe zum Einsatz. Bei Löffelhunden kann man in diesem Zusammenhang häufiges Urinabsetzen beobachten. Löffelhunde sind für uns keine auffälligen oder lauten Tiere. Sie verlieren nicht viele Worte bzw. Töne und lassen kein lautes Heulen wie Schakale durch die afrikanische Nacht erklingen. Ihr Fiepen, mit dem sie untereinander in Kontakt bleiben ist für den Menschen kaum hörbar und kann leicht im Vogelgezwitscher untergehen. Die Laute der Löffelhunde lassen sich generell in Fiepen, Knurren, Grunzen, und ein einzelnes wuff einteilen. Nur in äußerster Not und Todesangst stoßen sie ein lautes herzerweichendes Schreien aus. Zusammen mit verschiedenen Körperhaltungen können diese Töne zu vielfältigen Bedeutungen kombiniert werden. Das für den Menschen zumeist gleich klingende Fiepen besitzt für Löffelhunde unterschiedliche Bedeutungen. Dies lässt sich aus den verschiedenen Reaktionen ablesen, die darauf folgen, und wird besonders deutlich bei der Kommunikation zwischen Elterntieren und ihren Welpen. Zur Körpersprache nutzen Löffelhunde vorwiegend den Kopf mit den großen Ohren, den Rücken mit den aufstellbaren Haaren sowie ihren buschigen Schwanz. Besonders die Ohren sind sehr beweglich und werden wie bei Hauskatzen vielseitig in der Kommunikation eingesetzt. Der Schwanz wird entweder locker hängen gelassen, getragen wie ein umgedrehtes U oder gerade nach hinten weggestreckt. Im Gegensatz zu Hunden wedeln Löffelhunde eigentlich nicht mit dem Schwanz. Dies kann man nur im ausgelassenen Spiel beobachten.  

Dafür funktioniert die Verständigung mit Katzen bei weitem besser. Und das ist eigentlich wirklich das Typische an Löffelhunden, dass ihre Körpersprache so sehr derjenigen der Katzen ähnelt. Der einzig große Unterschied zwischen dem Verhalten von Katzen und Löffelhunden liegt darin, dass Hauskatzen sich hauptsächlich auf ihre hervorragende Sehkraft verlassen, während Löffelhunde ihre Umgebung eher mit Hilfe ihres extrem guten Hörvermögens aufnehmen.

3) Kommunikation innerhalb des Familienlebens

Junge Löffelhunde verbringen ihre ersten beiden Lebenswochen in der Sicherheit der Wurfhöhle.

Doch schon nach wenigen Tagen öffnen sie ihre Augen und beginnen auf Licht Veränderungen und Bewegungen am Höhleneingang zu reagieren. Sind diese allerdings nicht von dem beruhigenden Fiepen der Eltern begleitet, so verschwinden die Welpen sofort in der Tiefe der Höhle und sind dann weder zu sehen noch zu hören, bis sie von den Eltern wieder gerufen werden.
Nach etwa 2 Wochen erkunden die jungen noch rund-ohrigen Welpen zum ersten Mal die Welt oberhalb der Höhle. Dabei bleiben sie vorerst in unmittelbarer Nähe der Eingänge, bevor sie in kleinen neugierigen Schritten den Rest des afrikanischen Busches erobern 
Wenn junge Löffelhunde die Sicherheit der Höhle verlassen, dann nur unter aufmerksamer Beobachtung ihrer Umgebung. Zumeist als Antwort auf den Ruf der Mutter streckt der Mutigste seinen Kopf als erster hinaus und horcht mit aufgestellten Ohren nach möglichen Gefahren.    
Scheint die Luft rein zu sein drängen die anderen von hinten nach und dann sieht man oft für einen kurzen Augenblick alle Geschwister nebeneinander stehen und in die Welt hinausblicken.
Werden die Welpen dabei oder im Spiel durch eine schnelle Bewegung oder ein fremdes Geräusch gestört so stößt einer ein einzelnes wuff aus. Dies der Warnruf der Welpen welcher alle veranlasst auf den schnellstem Wege in die Sicherheit der Wurfhöhle zu flüchten.
Löffelhundwelpen sind generell sehr schreckhaft, sie warnen sich gegenseitig und flüchten auch dann, wenn die Elterntiere keine Unruhe zeigen.
Es gibt allerdings eine Situation, in der die Welpen die Welt um sich vergessen
Und zwar wenn die Mutter mit einem leisen Fiepen zum Säugen ruft.
In den ersten Wochen stellt sie sich deshalb zum Säugen direkt vor einen der Höhleneingänge.
Lustig zu beobachten ist, wenn die Mutter versucht die Welpen wieder loszuwerden, weil sie meint diese hätten nun genug getrunken. Denn dann läuft sie einfach los und schleift ihre Jungtiere hinter sich her, bis jedes einzelne losgelassen hat.
Auf gemeinsamen Jagdausflügen bleibt die Familie mit Hilfe leiser Fieptöne ständig in Kontakt
Verliert eines der Jungtiere aber den Sicht- und Hörkontakt, so stößt er ein immer lauter werdendes klagendes Heulen aus, bis er eine erlösende Antwort erhält. Die Elterntiere nutzen auch das Fiepen um ihre herumstreunenden Welpen zu rufen und zur Höhle zurückzuführen.
In manchen Situationen bedeutet das Fiepen allerdings nicht die Aufforderung zu kommen, sondern im sicheren Versteck zu bleiben.
Es ist wahrscheinlich, dass die Löffelhunde aufgrund ihres besseren Hörvermögens, feine Unterschiede im Fiepen heraushören, welche uns einfach entgehen. Typisch ist eigentlich, dass Elterntiere eher längere Fieptöne ausstoßen, während die Welpen eher mit kurzen Tönen darauf antworten, aber auch hier gibt es individuelle Unterschiede zwischen den Familien. 
Die Begrüßung innerhalb der Familie erfolgt durch Anstupsen mit der Nase und Nippeln im Fell, gegenseitige Fellpflege spielt eine wichtige Rolle innerhalb des Familienlebens. Man nennt es auch Bonding, aber bei Löffelhunden heißt es einfach, Du gehörst zu meiner Familie.    
Die Haltung des Schwanzes wie ein umgedrehtes U weist bei Löffelhunden auf Aufregung hin.
Dies kann in Verbindung stehen mit Freude zum Beispiel über besonders gute Beute, Begrüßung und Spiel. Oder auch bei einer Warnung gegenüber einem eher unterlegendem Gegner.
Typisch für jede Drohung ist das leichte bis starke Absenken des Kopfes mit angelegten Ohren
Dies wird häufig begleitet von Knurren oder Grunzlauten. Einen gleichstarken Gegner versuchen Löffelhunde mit Hilfe von Katzenbuckel und gesträubten Haaren von ihrer überlegenen Größe zu überzeugen. Fühlt sich ein Löffelhund jedoch unterlegen, erfolgt mit Absenken des Kopfes ein Hinlegen oder die Flucht, wobei Löffelhunde eine erstaunliche Geschwindigkeit vorweisen und wie Hasen Haken schlagen. Zwischen Mut und Angst, bzw. Abwehr und Flucht liegen aber viele Schattierungen,
Die von Löffelhunden eindrucksvoll wiedergegeben werden und am besten im Spiel der Welpen  zu beobachten sind.
Wenn Löffelhunde meinen ihr Futter gegenüber Neidern verteidigen zu müssen, stoßen sie ein unterschwelliges Knurren aus. Reicht diese Warnung nicht, beginnen sie die Futterneider weg zu beißen. Dabei zeigen die sonst so verspielten Löffelhunde eine ungeahnte Aggressivität.

 

Home

Einführung

Das Löffelhund-Projekt in Namibia 

Löffelhunde stellen sich vor

Fanta

 Die Löffelhund-Gästefarm

Unsere Kontaktadresse 

Aktuelles